Hittorfstraße an der Grenze zwischen rotem und weissem Belag
Foto: Hittorfstraße 48 © 2020/12 Thilo Bunzel

Interview Quartiersbewohnerin Hittorfstraße

Thilo Bunzel: Würden Sie mir bitte zunächst Ihren Namen sagen und ob ich Sie mit damit zitieren darf?

NADJA: Ja, das dürfen Sie machen. Ich heiße Nadja B.

Frage: Erzählen Sie bitte, wie sie die Hittorfstraße nutzen, wo Sie wohnen und wie Sie von dem Ausbau dieser Straße betroffen sind!

NADJA: Also ich nutze diese Straße eigentlich nur als Fahrradstraße. Ich fahre sehr viel Fahrrad und benutze die Straße auch immer, wenn ich zur Uni fahre.
Ich habe natürlich auch ein Auto, aber es es stört mich überhaupt nicht, dass hier so viele Fahrräder fahren.

Frage: Sie nutzen die Straße mit dem Fahrrad also zu Uni-Zeiten. Da hier eigentlich nur Anwohner-Autoverkehr zugelassen ist, würden Sie sagen, dass Sie sich als Fahrradfahrerin hier sicher fühlen?

NADJA: Ich fühle mich eigentlich sicher. Es sind schon viele Autofahrer hier unterwegs. Und immer wenn ich hier mit dem Fahrrad fahre, ist auf jeden Fall ein Autofahrer dort. Aber die fahren sehr langsam.

Frage: Jetzt gibt es hier vorne eine Stelle, wo die rot gekennzeichnete Fahrradstraße in eine graue übergeht, weil hier letzten Sommer der Ausbau ausgesetzt wurde.   
Glauben Sie, dass es mehr Bewusstsein schafft, wenn die Straße weiter rot gefärbt wird?

NADJA: Ich glaube, das schafft auf jeden Fall mehr Bewusstsein. Also ich bin vor 2 Jahren hierher gezogen und wusste erst gar nicht, dass das hier eine Fahrradstraße ist.   
Da fällt eine rote Straße auf jeden Fall viel mehr auf. Da fährt man auf jeden Fall deutlich vorsichtiger und langsamer als wenn nur ein Schild am Anfang steht.

Frage: Wie sehen Sie das Parkproblem? Zu dem Konzept dieser Fahrradstraße gehört ja auch, dass Anwohnerparkplätze wegfallen. Halten Sie das für richtig?

NADJA: Also ich wohne ja eine Straße weiter, deswegen kann ich das schlecht beurteilen. Aber ich finde es generell schon problematisch, wenn Anwohner-Parkplätze wegfallen. Auch in der Nebenstraße, da wo ich wohne, ist die Parksituation für die Anwohner schwierig. Wir müssen auch in Nebenstraßen parken und ich finde man sollte als Anwohner die Möglichkeit haben zu parken.

Frage: Meinen Sie, dass die Sicherheit für Sie als Fahrradfahrerin nicht davon abhängig ist, ob an der Seite Autos parken?

NADJA: Doch, wahrscheinlich wäre es sicherer, wenn dort keine Autos parken würden, aber hier wohnen halt auch noch Leute.

Frage: Also den Kompromiss sollte man ihrer Meinung nach eingehen?

NADJA: Ja.

Frage: Beim Ausbau der Fahrradstraße gab es ja viel Kritik daran, dass Anwohner*innen nicht ausreichend informiert wurden. Wurden Sie als Anwohnerin einer Seitenstraße informiert?

NADJA: Nein.

Frage: Können Sie sich Konzepte vorstellen, in denen Sie auch informiert und zu Ihrer Meinung gefragt werden? Wie sollte man ihrer Meinung nach so einen Ausbau kommunizieren?

NADJA: Ich finde man sollte ihn in jedem Fall kommunizieren: an die Leute, die direkt hier wohnen und auch sogar an die in den Nebenstraßen - weil jetzt Leute von hier auch bei uns in den Straßen parken.
Und man sollte es natürlich erst einmal öffentlich diskutieren und die Anwohner direkt - entweder postalisch fragen oder ihnen zumindest Bescheid geben - und dann eine Diskussion mit ihnen führen. Ich weiß nicht, ob das mittlerweile per E-Mail möglich ist oder wie da die Informationsweitergabe läuft.

Frage: Per E-Mail wäre eine Möglichkeit. Es gibt ja inzwischen auch ein Smart-City-Portal. Er wäre ja auch eine Möglichkeit, dass man über ein Online-Portal Ankündigungen bekommt, Fragen stellen oder sogar Vorschläge machen kann. Fänden Sie das gut?

NADJA: Das fände ich gut. Und als Idee könnte man auch einfach am Anfang oder am Ende der Straße ein Schild aufstellen, wo noch einmal darauf verwiesen wird, was das Vorhaben der Stadt ist und wo man seine Meinung äußern kann.
Ältere Leute, die nicht so viel im Internet unterwegs sind und die hier wohnen, sehen dann zumindest das Schild, wenn sie daran vorbeikommen. Dann können sie vielleicht darauf reagieren und bekommen eher etwas davon mit, als wenn es nur über das Internet kommuniziert wird.

Frage: Zum Abschluss die Frage: Sehen Sie den Zusammenhang zwischen dieser Fahrradstraße und Radverkehrskonzept 2025 der Stadt Münster?

NADJA: Ja also - ich weiß auf jeden Fall, dass in der Innenstadt mehr Fahrradstraßen entstehen sollen und das finde ich auch gut.   
Aber ich kenne auch die Seite, die sagt, die Anwohner müssen mit dem Auto dort fahren können. Und vielleicht werden Fahrräder dadurch auch behindert. Aber eigentlich finde ich da die gegenseitige Rücksichtnahme sinnvoll.  
Deswegen befürworte ich auch auf jeden Fall den Ausbau von Fahrradstraßen.

Thilo Bunzel: Ganz herzlichen Dank für Ihre Meinung Frau B.!