Schilder am Eingang der Hittorfstraße
Foto: Was gilt bei der Einfahrt in den grauen Teil der Hittorfstraße? © 2020/12 Thilo Bunzel

Anwohner-Interview Hittorfstaße

Guten Tag, ich recherchiere zu dem Thema “Ausbau der roten Fahrradstraßen”, der hier im Sommer 2020 gestoppt wurde. Wären Sie bereit für ein namentliches Interview?

LIESEL: Wir sind Hans und Liesel K. und wohnen auf dem Teil der Straße, der noch nicht angemalt worden ist… Wir sind aus dem Grunde dagegen, weil die Straße mit Autos gefüllt ist, die zum großen Teil gebraucht werden. Es gibt die Möglichkeit, die Autos auf den Bordstein zu stellen, sodass die Fahrräder ihr Recht behalten und in der Mitte fahren dürfen. Autos weg zu schaffen ist glaube ich nicht möglich. Denn sie sind ja da! Und wir verkaufen Sie auch nicht, nur damit Platz ist.

Frage: Sie sind also für den Ausbau oder den Beibehalt der Fahrradstraße, aber gegen den Wegfall von Parkplätzen?

LIESEL: Genau. Es ist schon immer eine Fahrradstraße gewesen. Und ich frage mich: Reicht nicht dieses Zeichen, der Kreis mit einem Fahrrad, das einfach eine gute Wirkung hat, anstatt die Straße rot anzustreichen?

Frage: Sie glauben also nicht, dass der rote Anstrich in der Wahrnehmung zusätzlich ein Bewusstsein schafft, wie in dem dahinter stehenden Modell aus den Niederlanden? Würde eine graue Straße, wenn sie ausreichend beschildert ist, Ihrer Meinung nach ausreichen?

LIESEL: Ja, mit den Zeichen auf der Straße. Das fand ich sogar nett: ein weißer Kreis, ein weißes Fahrrad darin, das sich nach gewissen Abständen wiederholt. Ich denke wir müssen auch sagen, das hier ist keine Velo-Route, das ist ein Stückchen, wo Räder bevorzugt werden, ein Stück Innenstadtstraße.

HANS: Und vor allen Dingen ist das eine Anliegerstraße, wo keiner kontrolliert, ob nur Anlieger hier herfahren. Das ist der Stadt zu aufwändig, hier zu kontrollieren. Und deswegen gibt es hier laufend Staus, weil zum Beispiel zwei Autos, eins von rechts, eins von links, überhaupt keine Chance haben durchzukommen.

Frage: Sie haben eben gesagt, das sei keine Velo-Route, das ist nur ein Stück. Das Konzept, warum jetzt gerade diese Straße ausgebaut wird, leuchtet Ihnen also nicht ein?

LIESEL: Nicht, dass sie noch intensiver behandelt werden müßte. Sie war vorher schon Radstraße. Aber wir haben uns alle geeinigt: als Autofahrer, als Radfahrer. Das war im Durchschnitt eine gute Gegenseitigkeit. Und warum dann noch Farbe auftragen?
Weil Zeichen auf der Straße gesetzt waren, wussten wir alle, dass es eine Radstraße ist. Und trotzdem: das mit der roten Farbe macht es zu intensiv:
“Ihr Autos, ihr müsst weg! Wir kommen!”
Das finde ich schade. Wir waren eigentlich Partner!

Frage: Also wird dadurch das Gegeneinander von Anliegern, Auto- und Radfahrern noch befeuert, statt es auszugleichen?

HANS: Es ist an und für sich eine Verbindungsstraße zwischen zwei Akzenten, die die Uni gesetzt hat. Drüben die Hüffer-Stiftung und auf der anderen Seite das mathematisch-naturwissenschaftliche Feld. Und es ist keinem zu empfehlen zwischen jeder vollen Stunde und Viertel nach, wenn die Uni Pause macht, hier durchzufahren. Da hat man als Autofahrer keine Chance, weil dann die Räder von rechts nach links und von links nach rechts fahren.

Frage: Abschließend möchte ich Ihnen ganz herzlich danken für Ihre Bereitschaft mir zu antworten.

LIESEL: Ja, dann konnten wir das auch mal loswerden!

Im Nachgespräch ergab sich die Frage, wann und wie die Anwohner über die Ausbaumaßnahme der Hittorfstraße informiert wurden. Die Antwort war, dass lediglich donnerstags ein Flyer der Stadt im Briefkasten lag, bevor montags die Ausbauarbeiten begannen, also 2 Werktage vorher.

Die Fragen stellte Thilo Bunzel am 13. Dezember 2020 in der Hittorfstraße.

Comments